Krisenbeobachtung

Wie aus der Finanz- eine Schuldenkrise gemacht wurde

 von Oeconomicus , 15.05.2012 06:58

Bankenschwindel
Wie aus der Finanz- eine Schuldenkrise gemacht wurde

Es ist der wohl größte PR-Coup der Geschichte:
Die Banken haben sich aus der Schusslinie genommen, indem sie aus der Finanz- eine Staatsschuldenkrise machten.
Die Politik zieht daraus die falschen Schlüsse. Jetzt aber wird die Kritik an Merkels Spardiktat immer lauter ...


Cicero - 12. Mai 2012


***

dazu professorale Unterstützung der EURO-Junkies

VOLKSWIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN
DER EURO-STAATSSCHULDENKRISE UND NEUE INSTRUMENTE DER STAATS-FINANZIERUNG IN DER EU

Stellungnahme für den Finanzausschuss des Deutschen Bundestages, Sitzung vom 9. Mai 2012, Berlin


Analyse von
Prof. Dr. Paul J.J. Welfens, Jean Monnet Professor für Europäische Wirtschaftsintegration und Lehrstuhl für Makroökonomik an der Bergischen Universität Wuppertal

Auszug aus der Zusammenfassung:
"Die vorliegende Analyse behandelt vor dem Hintergrund der Ausgangslage nach dem Doppel-Krisenjahr 2010/2011 die Probleme und Herausforderungen in der Eurozone.

Dabei wird zunächst auf den Bankensektor eingegangen, dessen Stabilität zum Teil eng verbunden ist mit Fragen einer soliden Staatsschuldenfinanzierung.

Soweit man das Krisenmanagement in der Eurozone nur als halb erfolgreich einschätzen muss, bleibt Raum für dringende neue Politikschritte."

(Anm.: wie überall zu sehen ist, war das Krisenmanagement nicht "halb erfolgreich", sondern eine einzige Katastrophe. Anscheinend sind die Fenster in Prof. Welfens Elfenbeinturm zugemauert, insbesondere in Richtung Griechenland, Italien und Spanien ... und statt besagte Denkstube zu verlassen und sich mit den Menschen im bankrotten Wuppertal zu unterhalten, scheint er es vorzuziehen "Wolkenkuckucksheim" zu analysieren)


"Die Steuereinnahmen müssen in den Krisenländern wegen der steigenden Zinsausgabenquote erhöht werden; generell stellt sich die Frage, ob der Finanzsektor künftig stärker besteuert werden soll, wobei dies hier differenziert eingeschätzt wird."


(Anm.: Jawoll! Steuererhöhungen in den Krisenländern sind der absolute Königsweg, insbesondere wenn man dabei auf signifikante Beteiligungen der Vermögens-Kaste verzichtet. (Beispiel: die verfassungsmäßige Verankerung der Steuerbefreiung von griechischen Reedern, oder die unsäglichen Plünderungen des griechischen und italienischen Volkes)


"Insbesondere die Möglichkeit, eine Volatilitätssteuer einzuführen mit Steuerbasis Eigenkapitalrendite bei Banken und anderen Finanzinstitutionen, wird als wünschenswert für Allokationseffizienz und Systemstabilität gesehen."


(Anm.: wir werden sehen, welche Wendehals-Manöver die Euro-Junkies auf Druck des neuen Monsieur le Président vornehmen werden)


"Die erheblichen mittelfristigen Ausgabeneinspareffekte für den Staat aus dem Sichere-Hafen-Effekt – also Spareffekte im Kontext der unnormal niedrigen Realzinssätze in Deutschland als Folge der Krise bzw. erhöhter Kapitalzuflüsse – und die positiven Investitions-, Wachstums- und Beschäftigungseffekte werden hier für Deutschland erstmals in einer Abschätzung präsentiert.

Größenordnungsmäßig ist der Gesamtvorteil für Deutschland im Zeitraum 2010-2017 erheblich und muss den völlig einseitigen Darlegungen von der Ifo-Spitze entgegengehalten werden; der kumulierte Effekt liegt bei etwa 2500 Euro pro Kopf bzw. 6-7% des Bruttoinlandproduktes von 2017."


(Anm.: Die knapp 10 Millionen Menschen in Deutschland, die es sich unterhalb der Armutsgrenze "gemütlich gemacht haben" wird diese Aussicht sicher jubilieren lassen.
Statt Prof. Sinn (IFO-Institut) anzugreifen, wäre eine öffentliche Debatte, bspw. anläßlich einer öffentlichen Anhörung im Haushaltsausschuss des Bundestages wesentlich zielführender)


"Bei der Frage der wirtschaftlichen Ungleichgewicht hat der neue Ansatz der Europäischen Kommission einige Ungereimtheiten, wobei hier als Ergänzung dringend ein Blick auf die echte Sparquote (adjusted net savings rate) – nach Weltbank-Konzept – empfohlen wird, was bei einigen Krisenländern schon frühzeitig Warnsignale gegeben hätte.
Die längerfristige bzw. nachhaltige Stabilisierung der Eurozone wird nicht ohne Euro-Politikunion möglich sein, wobei hierzu einige Vorschläge unterbreitet werden. "


(Anm.: Dabei wäre es hilfreich in allen Ländern der Euro-Zone diese Forderung nach demokratischen Prinzipien per Referendum abzufragen!)


"Zu Pessimismus besteht in der Eurozone und insbesondere auch in Deutschland kein Anlass, die Überwindung der Krise erfordert geduldige und gezielte Maßnahmen, wobei die Rolle der Europäischen Kommission mittelfristig deutlich gestärkt werden sollte."

[...]

http://www.bundestag.de/bundestag/aussch...of__Welfens.pdf

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