Krisenbeobachtung

RE: Gewalt gegen Steuereinzieher nimmt zu

 von Oeconomicus , 14.05.2012 22:28

Gewaltsame Proteste
Italiens Regierung berät über Einsatz von Armee


Erst das Attentat auf einen führenden Atommanager, dann wütende Proteste und Brandanschläge auf die Steuerbehörde: Italien wird von einer Welle der Gewalt erfasst. Die Regierung erwägt jetzt den Einsatz der Armee.

SPON

Bei sz-online klingt das etwas abgemilderter

@modesto, der in Süditalien lebt, kommentiert die Ereignisse so:

"Es geistert nun seit 2 Tagen durch die Medien, von denen wir mitbekommen, dass man das Militär auf die Straße schicken will.

Ob das die Verfassung hergibt kann ich leider nicht herausbekommen.

Die Selbstmordwelle reißt nicht ab. Jeden Tag sind es mindestens einer und manchmal auch 3 Menschen - immer Männer und Familienväter, die sich das Leben nehmen wegen unlösbarer Situationen, die immer öfter ausgelöst werden durch Briefe von der Equitalia, dem staatlichen Inkassoinstitut.
Oft handelt es sich dabei um Fehler, auf Reklamationen seitens der Bürger wird nicht oder belanglos oder falsch geantwortet, keiner kann einem helfen, wenn man in eines der Büros vor Ort geht.
Wir erleben das im Kleinen selber, man mahnt bei uns die TV-Gebühren an seit Jahren mit Zinsen und Zinseszinsen für einen abgemeldeten ehemaligen Wohnsitz und auch noch für eine ehemalige Geliebte meines verstorbenen Vaters, welche vor ca. 15 Jahren mal im Familienhaus gewohnt hat.
Einschreiben mit Rückschein und Erklärungen werden ignoriert, es kommen immer neue Mahnungen mit neuen Gebühren.

Menschen erhalten Rechnungen für Sachen, die sie nichts angehen, teils in die Hunderttausende, nichts klappt, nichts stimmt.

Nun richtet sich der Zorn logischerweise gegen diese Equitalia, das Folterinstrument des Staates, gegen die man keine Chance hat.
Unendliche Prozesse laufen von Bürgern gegen EQ, aber sie laufen über Jahre, kosten Geld, bringen nichts.

Man fragt sich immer öfter unter den Leuten, warum sich die Männer umbringen und nicht vorher ein, zwei von denen mitnehmen, die das alles verursachen bzw. als Handlanger des Systems fungieren.

Nun hat man eine harmlose "Bombe", die gegen eine Tür geworfen wurde, als willkommenen Anlass genommen, um nach dem Militär zu rufen.
Es wird kommen, aber nicht nur vor den Geldeintreibern zu posieren, sondern vor allem, um die immer aufmüpfigere Bevölkerung in Schach zu halten.

Monti beleidigt wo er nur kann, in einer so provokanten Art und Weise, dass einem übel wird.

Auf eine Frage, wie er zu der nicht abreißenden Selbstmordwelle seiner im anvertrauten Landsleute steht, antwortete er sinngemäß, dass sich in der Zeit, in der in Italien knapp 100 Menschen sich das Leben genommen haben, es in Griechenland schon über 1700 waren.

Und dass man nicht ihn und seine Politik dafür verantwortlich machen kann, man solle sich mit denen anlegen, die vorher dran waren. (..und die den grausamen Kürzungen von Monti immer wieder zustimmen).

Er peitscht jedes Gesetz über Nacht durch mit einer Vertrauensfrage und einer Nachtsitzung des Palarments. Es waren schon 27 Vertrauensfragen, immer wieder erhält er ein JA.

Gestern schlug er dem Fass den Boden aus:
Seine Arbeitsministerin Elsa Fornero sagte vor der Presse, man sei "ein wenig verspätet dran, den Schwachen und den Ärmsten zu helfen". Und man sei sich dessen bewusst, aber es sei noch nichts konkretes geplant, wichtig sei nun, die Schulden zu reduzieren, das habe Vorrang.

Und Monti meinte, dass die Italiener über "Softpower" verfügen, die es jetzt abzurufen gilt, damit man gemeinsam mit großen Opfern und Entbehrungen die Märkte beruhige.

Es ist nur natürlich, dass einem jeden der Kamm schwillt, wenn man diese Worte hört als Antwort auf echtes Leiden, hungernde Menschen, sich selbst anzündende und auf öffentlichen Plätzen verbrennende Bürger, die Post vom Staat oder von der Bank erhalten haben.

Der Italiener ist immer noch viel zu ruhig, aber langsam wird der Hass auf die Politik und die Banken und die Geldeintreiber größer, zum normalen Gesprächsthema, egal wo man hinkommt.

Wobei wir hier im Süden noch damit zu tun haben, dass kaum einer gern zeigt, wenn es ihm nicht gut geht. Man macht "bella figura" und schleppt ein großes Geschenk an zu einer Taufe, auch wenn man dafür einen Monat lang nur Gemüse und Brot gegessen hat und das Auto stehen lassen musste.

Aber das ist endlich - wie die Geduld der Menschen."

Quelle - 14.05.2012, 18:22


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