Krisenbeobachtung

BLAUER TRANSFER-RUBEL

 von Oeconomicus , 22.06.2012 17:01

BLAUER TRANSFER-RUBEL

Euro-Krise:
Irrweg Fiskal- und Bankenunion – nach ihrer Rettung ist die EU-Gemeinschaftswährung nur noch eine Binnenwährung


Weder die professionellen Euro-Retter noch die Kritiker vom Dienst beantworten die Frage, wie der Euro nach seiner „Rettung“ dastehen wird:
als harte Weltwährung, die schwächelnde Konkurrenten wie den Dollar weit hinter sich läßt – oder als Währungskrüppel, der zwar in der Euro-Zone (soweit sie noch existiert) als „gesetzliches Zahlungsmittel“ umläuft, aber seine eigentliche Währungsqualität (in dem der Bürger spart, Vermögen bildet und hält) verloren hat.

Dabei ist die Zukunft des Euro, wenn man ihn weiter so rettet wie bisher, absehbar.
Das jeder ökonomischen Einsicht und politischen Verantwortung Hohn sprechende Konzept der Euro-Retter lautet:
Wir ertränken die Schulden der Staaten und ihrer Banken (die ihnen dazu verholfen haben) in Inflation.
Wir drucken immer neue Euro, um die alten (geschuldeten) Euro zu retten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bekennt sich offen dazu:
Sie bekämpft nicht mehr die Inflation (wozu die Statuten verpflichten); sie bekämpft die Krise (wozu sie nicht befugt ist), indem sie bankrotte Staaten mit frischem Geld ausstattet (durch Kauf von deren Anleihen), den Zentralbanken der Krisenländer die bei ihnen abfließenden Euro ersetzt (Target-2) und die Banken in Billionenhöhe zum Ein-Prozent-Tarif mit Liquidität versorgt, damit sie möglichst viele der alten und neuen Staats- und Privatschulden übernehmen – sprich: weiter finanzieren und dabei auch noch gut verdienen, denn die Marge zwischen ihrem Bankkredit- und dem EZB-Zins war noch nie so hoch wie in dieser Krise.

Vergleicht man diese Eruption in der Geldwirtschaft mit den krisenbedingt mageren Ergebnissen (Produktion, Umsätzen) der Realwirtschaft, dann ist eine europäische Hyperinflation (für Deutschland die dritte in hundert Jahren) programmiert.

Der Bürger wird fragen: Warum spüre ich die Inflation noch nicht?
Erstens hatten wir bis vor kurzem Hyperinflation an Börsen und Finanzmärkten, bis die Unsicherheit über den weiteren Krisenverlauf die Blasen dort platzen ließ.
Zweitens bremst die Krise zwar den Preisauftrieb heute, aber nicht morgen, wenn immer mehr verzweifelte Menschen ihre Konten und Geldvermögen auflösen (wie in Griechenland) und in die Sachwerte fliehen – was beim Gold mit entsprechender Preisexplosion bereits einigen Jahren stattfindet.
Eine zweite Front der Euro-Rettung wird nun mit den Stichworten: ESM, Fiskalpakt und Bankenunion eröffnet.

Der Geldspritze, die nur Anreize schafft, den gegenwärtigen Schuldenstand beizubehalten und nicht fällig zu stellen, soll nun die kontrollierte Verwaltung, Übernahme und Umverteilung dieser Schulden folgen: ihre Vergemeinschaftung.

Es wäre der Masterplan der EU-Quadriga aus Herman Van Rompuy (EU-Rat), José Manuel Barroso (EU-Kommission), Jean-Claude Juncker bzw. Nachfolger (Euro-Gruppe) und Mario Draghi (EZB) – doch nur, wenn er funktioniert.
Mit dem ESM entsteht nicht nur Europas größte Bank (ihr Eigenkapital von 700 Milliarden übertrifft das der EZB um das 130fache, das der Bundesbank um das 70fache, das der Deutschen Bank um das 13fache!), sondern der Welt.

Frei nach Hamlet:
Wenn es schon Wahnsinn ist, so hat er Größe, aber keine Methode.

Denn der neue Euro-Schuldenverwalter (geplantes Ankaufsvolumen 500 Milliarden Euro) kontrolliert nicht, sondern sprengt den europäischen Finanzmarkt; sein Volumen von 1,2 Billionen Euro (700 plus 500) bringt er entweder nie auf, oder er blockiert den europäischen Finanzmarkt für alle anderen staatlichen und/oder kommerziellen Nutzer.

Die EU macht sich zur Kommandozentrale an den wettbewerblich geordneten Finanzmärkten der EU-Länder und stellt sie in den Dienst ihrer eigenen Ziele, oder versucht es.
Das sich vereinigende Europa, das als marktwirtschaftliches Projekt begann, wird über den Euro und seine Rettung zur dirigistisch und sozialistisch gesteuerten Schuldenverwaltung, ähnlich der DDR-Treuhand, nur mit umgekehrtem Ziel und Vorzeichen.

Und der Euro?
Er wird in diesem Markt zur EU-Binnenwährung. Eines erneuten Rechtsbruches dafür bedarf es nicht mehr.
Artikel 64 EU-Vertrag sieht ohnehin „Ausnahmen im Kapitalverkehr mit Drittstaaten“ vor, eine verschämte Umschreibung für die Einführung von Devisenbewirtschaftung und Transferrubelbewilligungen à la Sowjetunion und Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Wilhelm Hankel

Oeconomicus
Beiträge: 1.534
Registriert am: 30.01.2012

Themen Überblick

Betreff Absender Datum
Quo vadis Euro ? Oeconomicus 15.02.2012
Eurocrats Carry On Up The Khyber, Determined and Delusional Oeconomicus 18.03.2012
„Wir brauchen ein Fukushima beim Euro“ Oeconomicus 05.05.2012
Das Ende wird hart Oeconomicus 07.05.2012
Marc Faber: "Es wäre sogar das Beste, die Eurozone ganz aufzulösen" Oeconomicus 11.05.2012
Rettung unmöglich: Euro kommt jetzt auf die Intensivstation Oeconomicus 13.05.2012
Österreich droht Griechenland mit EU-Rauswurf Oeconomicus 14.05.2012
US-Ökonom Allan Meltzer: „Die Idee der Euro-Zone war falsch“ Oeconomicus 15.05.2012
Wilhelm Hankel: Euro könnte enden wie die DDR-Mark Oeconomicus 18.05.2012
Umfrage: Jeder zweite Deutsche hält Euro-Einführung für falsch Oeconomicus 19.05.2012
RE: Umfrage: Jeder zweite Deutsche hält Euro-Einführung für falsch Oeconomicus 21.05.2012
Deutsche Bank schlägt „Geuro“ als Zweitwährung vor Oeconomicus 22.05.2012
Die Abwahl des Euro Oeconomicus 30.05.2012
Dirk Müller: "Rennet, rettet, flüchtet!" Oeconomicus 30.05.2012
Der Euro im Faktencheck Oeconomicus 01.06.2012
«Nicht Griechenland, sondern Deutschland muss austreten» Oeconomicus 01.06.2012
Die Währungsunion im Zerfall Oeconomicus 03.06.2012
Schwellenländer stoßen Euro ab Oeconomicus 04.06.2012
RE: Schwellenländer stoßen Euro ab Oeconomicus 13.06.2012
BLAUER TRANSFER-RUBEL Oeconomicus 22.06.2012
Die Verteidigung des Euro: ein österreichischer Ansatz Oeconomicus 24.06.2012
Hans Werner Sinn über die Zukunft des Euro Oeconomicus 25.06.2012
Politik ohne Rettungsfahrplan: Euro gibt weiter ab Oeconomicus 25.06.2012
Der Euro ist die beste Währung für Europa Oeconomicus 27.06.2012
Halbjahresbilanz: Wie viel der Euro verliert - und gegen wen er gewinnt Oeconomicus 01.07.2012
Internationale Industrie pro Euro Oeconomicus 01.07.2012
Der große Euro Schwindel – Wenn jeder jeden täuscht Oeconomicus 03.07.2012
Alternativpläne zum EURO-System Oeconomicus 11.07.2012
Die deutsche Elite versagt Oeconomicus 13.07.2012
Euro-Kritiker Hankel zum Verfassungsgericht: "Offenbarungseid der Politik" kob 13.07.2012
Hans-Olaf Henkel: „Wir brauchen ein Fukushima für den Euro“ Oeconomicus 14.07.2012
Thilo Sarrazin zur Zukunft Europas:"Geburtsfehler Maastricht" kob 18.07.2012
"Euro-Zone wird schrumpfen" Oeconomicus 18.07.2012
Merkel sorgt für Wirbel: Euro unter Druck Oeconomicus 19.07.2012
So tief wie seit über zwei Jahren nicht: Euro im Abwärtssog Oeconomicus 23.07.2012
Video-Interview mit Prof. Wilhelm Hankel Oeconomicus 24.07.2012
Falsche Treue, oder: Der Euro ist nackt Oeconomicus 24.07.2012
RE: Falsche Treue, oder: Der Euro ist nackt Oeconomicus 30.07.2012
Wer hat Vorteile, wenn der Euro zerbricht? Oeconomicus 30.07.2012
Ein Gespräch im Hause Springer über die Zukunft des Euro Oeconomicus 31.07.2012
 

Xobor Forum Software ©Xobor.de | Forum erstellen
Datenschutz